Fake LEGO, Klon, Plagiat – was ist was, und warum der Unterschied wichtig ist
Fake LEGO®, Klon, Plagiat – was ist was, und warum der Unterschied wichtig ist
Ich verkaufe LEGO®. Ich verkaufe auch CADA, Reobrix, Mould King und Panlos. Und ich werde regelmäßig gefragt, ob das nicht alles dasselbe ist – ob das „Fake LEGO®" sei, ob das legal sei, ob der Zoll das einbehält. Die Frage nervt mich nicht. Sie zeigt, dass viele Leute schlicht nicht wissen, womit sie es zu tun haben. Das ist das Problem. Hier räume ich auf.
Drei Kategorien – und sie sind nicht dasselbe
Fälschung. 1:1-Kopie. Gleicher Markenname, gleiches Logo, gleiche Verpackung, gleiche Anleitung. Das Produkt täuscht bewusst darüber, was es ist. Lepin war das. Jeder Stein kopiert, jede Anleitung gescannt, jede Lizenz ignoriert. Nicht legal. Kein Graubereich.
Plagiat. Gleiche Idee, leicht abgeänderter Name. Ob das reicht, um einer Markenrechtsverletzung zu entkommen, entscheiden Gerichte nach Verwechslungsgefahr – nicht der Hersteller. Meistens reicht es nicht.
Eigenständige Marke. CADA, Reobrix, Panlos, Mould King, Cobi, Lumibricks. Eigene Designs. Eigene Themen. Eigene Ingenieure. Steine, die mit anderen Klemmbausteinen kompatibel sind – so wie jeder Schraubendreher in eine Kreuzschlitzschraube passt, egal welche Marke draufsteht. Das ist kein Plagiat. Das ist Markt.
Das Patent auf den Klemmbaustein lief 2008 aus. Seitdem darf jeder Steine herstellen. Was nicht geht: fremde Designs kopieren, Markennamen stehlen, Anleitungen reproduzieren.
Lepin – der Fall, der alles erklärt
2015 tauchte Lepin auf. Chinesisch, billig, dreist. Wer einen Millennium-Falcon für 60 Euro suchte statt für 800, fand ihn bei Lepin – Set für Set kopiert, bis auf den Schriftzug auf den Noppen. Nicht nur eigene Sets: lizenzierte Themen, komplette Serien. Die Anleitungen waren Kopien der Originale. Man hätte eine Lepin-Anleitung nehmen können, um ein Original aufzubauen. Und umgekehrt.
Im April 2019 schlug die Polizei in Shanghai zu. Drei Fabriken durchsucht. Rund 650.000 Sets beschlagnahmt – als echte Originale wären sie rund 30 Millionen US-Dollar wert gewesen. Chef Li Haipeng festgenommen, später strafrechtlich angeklagt wegen eines Schadens von rund 300 Millionen Yuan. In den Fabriken arbeiteten laut Polizeiangaben rund 3.000 Menschen. Lepin kündigte das Ende der Produktion an. Kurz darauf gab es Hinweise auf einen Nachfolger unter dem Namen Nuogao. Ob und wie der weiterläuft, dokumentiert die Community auf lepinboard.de.
Was das wirtschaftlich bedeutet
Zahlen des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO): Die Spielzeugbranche verliert EU-weit rund eine Milliarde Euro jährlich durch Fälschungen. Das sind 8,7 Prozent des Branchenumsatzes – prozentual mehr als jede andere untersuchte Branche. Deutschland steht dabei an der Spitze: rund 300 Millionen Euro jährlich, fast ein Drittel des EU-weiten Schadens im Spielzeugsegment.
Über alle Branchen hinweg beziffert dieselbe Studie den EU-weiten Gesamtschaden auf rund 16 Milliarden Euro pro Jahr und 200.000 bedrohte oder vernichtete Arbeitsplätze.
Zum Vergleich: Der Zoll hat im vierten Quartal eines aktuellen Jahres über 22.000 Klemmbaustein-Nachbildungen sichergestellt. Ein Quartal, eine Produktkategorie.
Was der Zoll damit macht – und was das für dich bedeutet
Wer Klemmbausteine direkt aus China bestellt und nicht sicher ist, was er kauft, riskiert Folgendes: Der Zoll hält die Sendung zurück. Das passiert nicht bei jeder Lieferung. Aber der Zoll ist für Klemmbaustein-Sendungen sensibilisiert.
Privatperson, einzelnes Set: Keine Strafverfolgung. Aber die Ware wird beschlagnahmt und vernichtet. Das Geld kommt nicht zurück – chinesische Shops sind darin erfahren, Rückforderungen ins Leere laufen zu lassen.
Privatperson, mehrere Sets auf einmal: Der Zoll entscheidet nach Menge und Umständen, ob er von gewerblicher Nutzung ausgeht. Das ist dann kein Bagatellfall mehr.
Gewerblicher Käufer: Einfuhr von Fälschungen im geschäftlichen Verkehr ist eine Straftat. Bis zu fünf Jahre Freiheitstrafe. Dazu Schadensersatzforderungen und Abmahnungen.
Wer auf Kleinanzeigen günstige Sets aus China kauft, ohne zu wissen, was er hat, sollte das einmal durchdenken.
Warum der Markt trotzdem funktioniert
Weil 60 Euro weniger als 800 Euro sind. Das ist der Kern. Die Community diskutiert das seit Jahren offen – viele Käufer wissen genau, was sie tun. Laut EUIPO waren über 80 Prozent der europäischen Markenhersteller in den letzten fünf Jahren von Nachahmungen betroffen. Aber nur etwa die Hälfte hat rechtlich reagiert. Zu aufwendig, zu teuer, Ausgang ungewiss.
Das zweite Problem: Viele Käufer unterscheiden nicht. „Fake LEGO®" ist für sie alles, was günstiger ist als das Original aus Billund. CADA, Lepin, Reobrix – für jemanden ohne Hintergrundwissen sieht das alles gleich aus. Das ist falsch. Und das ist der Grund, warum es diesen Artikel gibt.
Was ich führe – und was nicht
Ich führe LEGO®. Weil wir LEGO® lieben und weil das Original seinen Platz hat.
Ich führe auch CADA, Reobrix, Panlos, Mould King, Cobi und Lumibricks. Weil das eigenständige Marken sind, die Dinge bauen, die es in Billund nicht gibt – oder nicht zu dem Preis. Wer einen 120-Zentimeter-U-Boot-Bausatz mit über 6.100 Teilen will, kauft ihn nicht dort.
Was ich nicht führe: Fälschungen. Beschlagnahmt, vernichtet, strafrechtlich verfolgt – das ist keine Basis, von der aus man aus Duisburg mit zwei Jahren Gewährleistung liefert.
Wer ein Set kauft, das er nicht einordnen kann: fragen. Ich weiß, was ich im Regal habe.
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